Die Beschaffungskosten von Materialien, Gütern und Dienstleistungen haben wesentliche Auswirkungen auf die Ertragslage der NORMA Group. Durch das effiziente Management aller Beschaffungsaktivitäten und die geeignete Auswahl der Lieferanten leistet der Einkauf einen erheblichen Beitrag zum Erfolg des Konzerns. Die zentrale Aufgabe besteht dabei in der Optimierung von bezogenen Leistungen und der Minimierung von Kosten unter Einbezug konzernweiter Skaleneffekte.
Globale Einkaufsorganisation
Bei den Einkaufsaktivitäten der NORMA Group wird zwischen vier übergeordneten Warengruppen unterschieden:
•Stahl- und Metallkomponenten
•Technische Granulate, Kunststoff- und Gummiprodukte
•Standardkunststoffe, Komponenten und Handelsware
•Investitionsgüter, Nichtproduktionsmaterialien und Dienstleistungen
Mit der vorhandenen Expertise in den Warengruppen unterstützt die Einkaufsorganisation die strategischen Geschäftseinheiten Industry Applications und Mobility & New Energy. Neben dieser operativen Struktur besteht
eine Unterteilung in die Segmente, das heißt die Regionen EMEA, Asien-Pazifik und Amerika. Diese Matrix-Organisation ermöglicht eine zentrale Steuerung durch die jeweiligen Experten der Warengruppen bei gleichzeitiger Integration der Kenntnisse von regionalen bzw. lokalen Einkaufsteams über spezielle Marktgegebenheiten vor Ort. Auf diese Weise stellt die NORMA Group ein professionelles Einkaufsmanagement und die Erzielung von wettbewerbsfähigen Preisen für Güter und Dienstleistungen sicher. Digitale Procurement-Systeme unterstützen die globale Organisation in ihren strategischen sowie operativen Tätigkeiten und ermöglichen somit ein effizientes Berichtswesen.
Entwicklung der Materialpreise
Im Geschäftsjahr 2025 entstand ein bereinigter Materialaufwand in Höhe von EUR 370,6 Mio. (2024: EUR 404,5 Mio.), was einem Anteil von 45,1 % (2024: 45,9 %) der Umsatzerlöse entspricht. Damit verbesserte sich die Materialeinsatzquote gegenüber dem Vorjahr ERTRAGSLAGE
Das zur internen Steuerung verwendete und um Währungseffekte bereinigte Einkaufsvolumen belief sich auf EUR 364,6 Mio. (20248: EUR 479,4 Mio.). Davon entfielen EUR 260 Mio. (20241: EUR 330,0 Mio.) und damit 71,3 % (20241: 69 %) auf den Bezug von Produktionsmaterialien.
Die kontinuierliche Fokussierung der NORMA Group auf strategische Beschaffung, Beschaffungseffizienz und Marktanpassungsfähigkeit hat entscheidend dazu beigetragen, Risiken zu minimieren und Chancen in dem volatilen Umfeld zu nutzen.
Stahl- und Metallkomponenten
Auch im Geschäftsjahr 2025 war die Versorgung der weltweiten Produktionsstandorte mit Rohstoffen wie Stahl und Draht sowie Metallkomponenten – bis auf wenige Ausnahmen – sehr gut. Auch die anhaltenden geopolitischen Krisen hatten keinen nennenswerten negativen Einfluss auf die Materialverfügbarkeit. Die nachlassende Konjunktur auf allen Kontinenten führte schrittweise zu einem Rückgang der Nachfrage in wichtigen Industriesegmenten und damit zu einer geringeren Auslastung der meisten Lieferwerke. Die Lieferzeiten für Stahl- und Drahtprodukte normalisierten sich im Jahresverlauf auf wenige Wochen. Bei Metallkomponenten lagen die Lieferzeiten hingegen weiterhin bei mehreren Monaten, bedingt durch mehrstufige Fertigungsschritte einschließlich der häufig erforderlichen Oberflächenbeschichtung. Eine Normalisierung der Energiepreise in Europa führte dazu, dass keine Teuerungszuschläge erhoben wurden – abgesehen von den etablierten Legierungszuschlägen bei Edelstählen.
In dem für die NORMA Group besonders wichtigen Warengruppenbereich Edelstahl konnten in den Jahrespreisverhandlungen für die Region EMEA für das Geschäftsjahr 2025 zudem Reduzierungen der Kontraktpreise erzielt werden. Diese betreffen die Grundbezugspreise für Edelstahl, exklusive der Legierungszuschläge.
Dagegen gestalteten sich die Preisverhandlungen in der Region Amerika schwieriger. Die protektionistische Handelspolitik der USA wirkte weiter, sodass trotz intensiver Bemühungen keine wesentlichen weiteren Preisreduzierungen erzielt werden konnten. Hinzu kam ab Juni 2025 eine Verschärfung der Einfuhrzölle für Stahl und Stahlderivate im Rahmen der Section‑232‑Gesetzgebung des US‑amerikanischen Trade Expansion Act von ursprünglich 25 % auf 50 %. Als Reaktion darauf initiierte die NORMA Group im Rahmen ihrer Warengruppenstrategien interne Projekte mit dem Ziel, Bezugsquellen in den USA zu lokalisieren.
8 Angaben beziehen sich auf den Gesamtkonzern, also inklusive des aufgegebenen Geschäftsbereiches,
Im Raum Asien-Pazifik – und dort vor allem in China – konnten ebenfalls niedrigere Bezugspreise für Edelstahlprodukte ausgehandelt werden. Dabei ist jedoch anzumerken, dass Preisreduzierungen in den dortigen Verhandlungen insgesamt geringer ausfielen als in der Region EMEA. Im 2. Halbjahr 2025 mussten zudem leicht erhöhte Preise im Vergleich zum 1. Halbjahr entrichtet werden. Im dortigen Preismodell erfolgt im Gegensatz zum Rest der Welt keine Separierung der Rohstoffkomponenten über einen Legierungszuschlag.
In den Regionen EMEA und Amerika entwickelten sich 2025 die Preise der monatlich neu fixierten Legierungszuschläge (Preisbestandteile sind unter anderem Nickel-, Schrott- und Ferrochrompreise) uneinheitlich. Austenitische Werkstoffe (Hauptkostentreiber ist das Legierungselement Nickel sowie Ferrochrom) notierten in EMEA im Zeitraum Januar bis Mai 2025 relativ stabil. Sie fielen die in den folgenden drei Monaten und stiegen im 4. Quartal des Jahres 2025 wieder leicht an (Grafik G017). In der Region Amerika stiegen die Preise zwischen Januar und Mai leicht an und folgten dann dem Trend in EMEA.
Ferritische Werkstoffe (Grafik G018) entwickelten sich in der Region EMEA im 1. Quartal 2025 noch nahezu stabil, fielen jedoch im 2. Quartal und notierten dann bis zum Jahresende nahezu unverändert, mit geringen Variationen. In der Region Amerika stiegen die Preise im 1. Quartal 2025 leicht an und verharrten bis Jahresende 2025 auf diesem Niveau. Hier folgten die Preise den Hauptkostentreibern Ferrochrom und Schrott, wobei Währungseffekte ebenso eine entscheidende Rolle spielten, da alle Preise in US-Dollar quotiert werden. Insgesamt ist festzuhalten, dass die Legierungszuschläge auch im aktuellen Berichtsjahr weiterhin auf einem relativ hohen Niveau verharrten.
Bei den eingesetzten Metallkomponenten gelang es der NORMA Group, in allen Regionen die Bezugspreise für das Geschäftsjahr 2025, wenn auch nur geringfügig, zu reduzieren. Es ist jedoch anzumerken, dass weiterhin erhöhte Energiepreise und gestiegene Lohnkosten sowie Verpackungs- und Transportkosten substanziellen Preisreduzierungen entgegenwirkten.
In der Warengruppe der oberflächenveredelten Nichtedelstähle sowie bei kaltgewalzten Bändern, die hauptsächlich in der Region EMEA eingesetzt werden, konnten die Bezugspreise im Jahresverlauf 2025 leicht gesenkt werden – begünstigt durch den rückläufigen Bedarf in vielen Industriesegmenten.
Technische Granulate, Kunststoff- und Gummiprodukte
Die Versorgung der weltweiten Produktionsstandorte mit technischen Granulaten war über das gesamte Geschäftsjahr 2025 gut.
Der Aufbau zusätzlicher Marktkapazitäten für langkettige Polyamide in Europa und China sowie die Erweiterung der Produktionskapazitäten für wesentliche Vorrohstoffe – insbesondere in China – sicherten eine guten
Materialversorgung. Diese wurde zusätzlich durch den Nachfragerückgang in wichtigen Industriesegmenten in der Region EMEA und teilweise auch in China begünstigt.
Die andauernden geopolitischen Krisen hatten im Geschäftsjahr 2025 keinen nennenswerten Einfluss auf die Verfügbarkeit technischer Granulate.
Durch langfristige Basispreisvereinbarungen mit strategischen Lieferanten konnte die NORMA Group das Preisniveau von 2024 das gesamte Jahr 2025 weitestgehend stabil halten oder leicht verbessern. Lediglich im 1. Halbjahr führten Veränderungen bei einigen Vorrohstoffen zu moderaten Preissteigerungen, die sich in der zweiten Jahreshälfte wieder normalisierten.
Die im Vergleich zum Vorjahr überwiegend gleichbleibende Preissituation bei den Granulaten resultierte in einer Seitwärtsbewegung im Preisniveau für Kunststoffkomponenten. Diese waren jedoch im Geschäftsjahr 2025 immer noch von erhöhten Energie- und Gaspreisen im Vergleich zum Zeitraum vor dem Ukraine-Krieg beeinflusst.
Im Gegensatz zur verbesserten Mengenverfügbarkeit bei den technischen Granulaten war die Warengruppe der Gummiprodukte im gesamten Geschäftsjahr 2025, wie auch im Vorjahr, durch den Krieg in der Ukraine nachhaltig negativ beeinflusst. Die seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs anhaltende Knappheit bei wichtigen Vorrohstoffen für Gummikomponenten führte 2025 zu einer weiterhin angespannten Preissituation auf dem Niveau des Vorjahres.
Lieferantenmanagement und -struktur
Im Rahmen des Lieferantenmanagements verfolgt die Einkaufsorganisation der NORMA Group das Ziel, durch die sorgfältige Auswahl, Bewertung und Entwicklung von Lieferanten die Resilienz der Lieferkette zu stärken. Die Überwachung der Leistungsfähigkeit der Lieferanten der NORMA Group trägt dabei entscheidend zur Stabilität und Effizienz der Wertschöpfungskette bei. Ein wesentliches Instrument stellen die über eine E-Procurement-Software abgebildeten jährlichen Lieferantenbewertungen dar. Dabei werden global einheitliche Kriterien aus den
Bereichen Qualität und Logistik sowie kommerzielle Aspekte betrachtet. Die entsprechenden Abteilungen sind auf lokaler Ebene in die Bewertungen involviert und werden durch das regionale und globale Warengruppenmanagement unterstützt. Neben der jährlichen Leistungsbewertung der Lieferanten werden Lieferantenrisiken kontinuierlich durch eine automatisierte Risikomanagement-Software überwacht. Diese hilft der Einkaufsorganisation, die Resilienz in der Lieferkette stets zu überblicken und rechtzeitig erforderliche Maßnahmen einzuleiten.
Im Fokus der Lieferantenauswahl der NORMA Group steht ein Gleichgewicht aus der Konsolidierung von Lieferanten zur Komplexitätsreduktion und der Vermeidung von starken Abhängigkeiten. Dieses Gleichgewicht wird durch den Einkauf fortwährend optimiert. Die aktuelle Lieferantenbasis gestaltet sich wie folgt: Im Geschäftsjahr 2025 entfielen 34,5 % (2024: 31,4 %) des Einkaufsvolumens auf die Top-10-Lieferanten der NORMA Group. Auf die Top-50-Lieferanten entfielen rund 67,9 % (2024: 63,0 %) des Produktionsmaterialumsatzes in Höhe von EUR 260 Mio. (2024: EUR 330,0 Mio.), was EUR 176,5 Mio. (2024: EUR 208,0 Mio.) entspricht.
Legende
Diese Inhalte sind Teil des nichtfinanziellen Konzernberichts und unterlagen einer gesonderten Prüfung mit begrenzter Sicherheit („limited assurance“).