Kennzahlen

Die Beschaffungskosten von Materialien, Gütern und Dienstleistungen haben wesentliche Auswirkungen auf die Ertragslage der NORMA Group. Durch das effiziente Management aller Beschaffungsaktivitäten und die geeignete Auswahl der Lieferanten leistet der Einkauf einen erheblichen Beitrag zum Erfolg des Konzerns. Die zentrale Aufgabe besteht dabei in der Optimierung von bezogenen Leistungen und der Minimierung von Kosten unter Einbezug konzernweiter Skaleneffekte.

 

Globale Einkaufsorganisation

Bei den Einkaufsaktivitäten der NORMA Group wird zwischen vier übergeordneten Warengruppen unterschieden:

Stahl- und Metallkomponenten

Technische Granulate, Kunststoff- und Gummiprodukte

Standardkunststoffe, Komponenten und Handelsware

Investitionsgüter, Nichtproduktionsmaterialien und Dienstleistungen

Mit der vorhandenen Expertise in den Warengruppen unterstützt die Einkaufsorganisation die strategischen Geschäftseinheiten Industry Applications, Mobility & New Energy und das Geschäft im Bereich Water Management. Neben dieser operativen Struktur besteht eine Unterteilung in die Segmente, das heißt die Regionen EMEA, Asien-Pazifik und Amerika. Diese Matrix-Organisation ermöglicht eine zentrale Steuerung durch die jeweiligen Experten der Warengruppen bei gleichzeitiger Integration der Kenntnisse von regionalen bzw. lokalen Einkaufsteams über spezielle Marktgegebenheiten vor Ort. Auf diese Weise stellt die NORMA Group ein professionelles Einkaufsmanagement und die Erzielung von wettbewerbsfähigen Preisen für Güter und Dienstleistungen sicher. Digitale Procurement-Systeme unterstützen die globale Organisation in ihren strategischen sowie operativen Tätigkeiten und ermöglichen somit ein effizientes Berichtswesen.

 

Entwicklung der Materialpreise

Im Geschäftsjahr 2024 entstand ein Materialaufwand in Höhe von EUR 500,0 Mio. (2023: EUR 549,6 Mio.), was einem Anteil von 43,3 % (2023: 45,0 %) der Umsatzerlöse entspricht. Damit verbesserte sich die Materialeinsatzquote spürbar gegenüber dem Vorjahr ERTRAGSLAGE Einen entlastenden Effekt hatten unter anderem geringere Kosten bei einem Teil der für die NORMA Group relevanten Rohstoffe. Die positiven Auswirkungen resultieren aus fortlaufend umgesetzten Optimierungen und Neuverhandlungen durch die globale Einkaufsorganisation. Diese repräsentieren einen wesentlichen Maßnahmenstrang im Rahmen des „Step Up“-Programms. Demgegenüber hatte ein generell weiterhin hohes Niveau bei den Transportkosten aufgrund der angespannten geopolitischen Lage sowie ein zum Jahresende erhöhtes Energiekostenniveau einen steigernden Effekt auf den Materialaufwand im aktuellen Berichtszeitraum. Ausführliche Informationen dazu sind den nachfolgenden Abschnitten zu entnehmen.

Das zur internen Steuerung verwendete und um Währungseffekte bereinigte Einkaufsvolumen belief sich auf EUR 479,4 Mio. (2023: EUR 537,1Mio.). Davon entfielen EUR 330,0 Mio. (2023: EUR 377,9 Mio.) und damit 69 % (2023: 71 %) auf den Bezug von Produktionsmaterialien.

Die kontinuierliche Fokussierung der NORMA Group auf strategische Beschaffung, Beschaffungseffizienz und Marktanpassungsfähigkeit hat entscheidend dazu beigetragen, Risiken zu minimieren und Chancen in dem volatilen Umfeld zu nutzen.

 

Stahl- und Metallkomponenten

Im Geschäftsjahr 2024 war die Versorgung der weltweiten Produktionsstandorte mit Rohstoffen (Stahl und Draht) sowie Metallkomponenten bis auf wenige vereinzelte Ausnahmen sehr gut. Eine in vielen Bereichen geringere Auslastung der Lieferwerke einhergehend mit einem Rückgang der Nachfrage in wichtigen Industriesegmenten führte insbesondere in der Region EMEA und in gewissem Maße auch in China zu nachgebenden Preisen und einer sehr guten Materialverfügbarkeit. Geopolitische Krisen – hervorzuheben der Krieg in der Ukraine – hatten im Geschäftsjahr 2024 keinen nennenswerten Einfluss auf die Materialverfügbarkeit im Metallbereich. Eine Normalisierung der Energiepreise in Europa führte dazu, dass keine Teuerungszuschläge, ausgenommen die etablierten Legierungszuschläge bei Edelstählen, erhoben wurden.

In dem für die NORMA Group wesentlichen Warengruppenbereich Edelstahl konnten in den Jahrespreis-verhandlungen für das Geschäftsjahr 2024 in der Region EMEA erstmals seit Jahren wieder signifikante Reduzierungen bei den Kontraktpreisen (Grundbezugspreis für Edelstahl ohne Legierungszuschläge) erzielt werden.

Dagegen gestalteten sich die Preisverhandlungen in der Region Amerika abermals wesentlich schwieriger. Die protektionistische Handelspolitik der USA wirkte weiter, sodass trotz intensiver Bemühungen nur geringe positive Preisveränderungen erreicht wurden.

Im Raum Asien-Pazifik – und dort vor allem in China – konnten niedrigere Bezugspreise für Edelstahlprodukte in den Verhandlungen erzielt werden. Dabei ist jedoch anzumerken, dass Preisreduzierungen in den dortigen Verhandlungen geringfügiger ausfielen als in EMEA. Anzuführen ist zudem, dass die Legierungszuschläge dort in den Preisvereinbarungen inkludiert sind.

In den Regionen EMEA und Amerika entwickelten sich die Preise der monatlich neu fixierten Legierungszuschläge (Preisbestandteile sind unter anderem Nickel-, Schrott- und Ferrochrompreise) bei detaillierter Betrachtung uneinheitlich. Austenitische Werkstoffe (Hauptkostentreiber ist das Legierungselement Nickel) stiegen im 1. Halbjahr 2024 zunächst an und folgten danach ab dem 2. Halbjahr 2024 ein überwiegend fallender Preistrend von Nickel – wie am Beispiel des Werkstoffs 1.4301 in Deutschland in der Grafik G017 verdeutlicht. Ferritische Werkstoffe (Grafik G018) notierten 2024 nahezu stabil mit geringen Variationen. Hier folgten die Preise den Hauptkostentreibern Ferrochrom und Schrott.

Insgesamt ist festzuhalten, dass die Legierungszuschläge auch im aktuellen Berichtsjahr weiterhin auf einem relativ hohen Niveau verharrten.

Bei den eingesetzten Metallkomponenten gelang es der NORMA Group in der Region Amerika nur in wenigen Fällen, die Bezugspreise für das Geschäftsjahr 2024 zu reduzieren. Dagegen konnten die Bezugspreise in der Region EMEA, dem Rohstoffpreistrend folgend, leicht verringert werden. Es ist jedoch anzumerken, dass weiterhin erhöhte Energie- und gestiegene Lohnkosten sowie Verpackungs- und Transportkosten substanziellen Preisreduzierungen entgegenwirkten.

In der Warengruppe der oberflächenveredelten Nicht-Edelstähle sowie bei kaltgewalzten Bändern konnten die Bezugspreise im Laufe des Jahres, einhergehend mit einem Rückgang des Bedarfs in vielen Industriesegmenten, etwas reduziert werden.

 

 

Technische Granulate, Kunststoff- und Gummiprodukte

Nachdem das Jahr 2023 insbesondere im 1. und 2. Quartal nachhaltig durch den Ukraine-Krieg beeinflusst wurde – und vor allem die Region EMEA mit Mengenverknappungen und hohen Energiepreisen konfrontiert wurde – verbesserte sich die Verfügbarkeit und die preisliche Situation schon in der zweiten Jahreshälfte 2023 deutlich.

Dieser Trend setzte sich auch im 1. Quartal 2024 fort. Je nach Werkstoff wurden die Preise mit geringfügigen Zu- oder Abschlägen fortgeschrieben. Durch langfristige Basispreisvereinbarungen mit strategischen Lieferanten konnte die NORMA Group das Preisniveau des 1. Quartals 2024 weitestgehend das gesamte Jahr 2024 halten. Kleinere Anpassungen ergaben sich aus der Veränderung einiger Vorrohstoffe und Gaspreise.

Die verbesserte Preis- und Liefersituation bei den Granulaten sorgte teilweise ebenfalls für sinkende Preise bei den Kunststoffkomponenten, die im Geschäftsjahr 2024 aber zugleich immer noch von erhöhten Energie- und Gaspreisen im Vergleich zum Zeitraum vor dem Ukraine-Krieg beeinflusst waren.

Im Gegensatz zu der verbesserten Mengenverfügbarkeit bei den technischen Granulaten war die Warengruppe der Gummiprodukte auch im gesamten Geschäftsjahr 2024 durch den Krieg in der Ukraine nachhaltig negativ beeinflusst. So führte der Krieg seit seinem Ausbruch zu einer massiven Mengenverknappung bei wichtigen Vorrohstoffen für Gummikomponenten und einem damit einhergehenden hohen Preisdruck, der über das gesamte Jahr 2024 anhielt.

 

Standardkunststoffe, Komponenten und Handelsware im Bereich Water Management

Trotz des wirtschaftlichen Drucks und der geopolitischen Spannungen – im Besonderen der Ukraine-Krieg und der Konflikt im Nahen Osten – blieb das Rohstoffpreisumfeld bei Standardkunststoffen, Komponenten und Handelswaren im Water-Management-Geschäft relativ stabil. Dies traf insbesondere auf die Schlüsselmärkte der NORMA Group zu – darunter die USA und Asien-Pazifik.

Die Stabilität der Rohstoffkosten gepaart mit einem effektiven Kostenmanagement ermöglichte es der NORMA Group, im Berichtsjahr 2024 im Bereich Water Management wettbewerbsfähige Beschaffungsausgaben aufrechtzuerhalten und das Geschäft trotz schwieriger Marktbedingungen 2024 und inmitten des anhaltenden Kostendrucks seitens der Kunden entscheidend zu unterstützen.

 

Energiemarkt 2024

Die Energiepreise blieben weiterhin anfällig für Marktsignale und geopolitische Entwicklungen. Obwohl die Preise im Jahr 2024 insgesamt rückläufig waren, ergab sich zum Jahresende aufgrund der Auswirkungen der US-Präsidentschaftswahlen sowie der genannten geopolitischen Faktoren im Nahen Osten und der Ukraine ein erneuter Anstieg auf Niveaus, die mit dem 3. Quartal 2023 vergleichbar waren.

Makroökonomische und geopolitische Faktoren waren jedoch nicht die einzigen Treiber dieser Volatilität. Die Umstellung auf erneuerbare Energien, deren Erzeugung naturgemäß schwankend ist, traf auf bestehende, weniger flexible Industriestrukturen und eine Nachfrage, die sich nur begrenzt anpassen ließ. Besonders in Zeiten geringer Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien verstärkte sich die Volatilität im Zusammenspiel von Erzeugung und Verbrauch.

Die NORMA Group begegnete diesen Herausforderungen mit einer langfristigen Strategie, die auf Chancen durch die Energiewende setzt und gleichzeitig Risiken starker Preisschwankungen minimiert. Flexible Vertragsmodelle, die die Sicherheit langfristiger Vereinbarungen mit den Vorteilen des Strom-Spothandels kombinieren, spielten hierbei eine zentrale Rolle. Ergänzend dazu wurden Eigenstromerzeugung und Grünstromverträge (PPAs) evaluiert und umgesetzt.

Mit dieser Ausrichtung bleibt die NORMA Group auch zukünftig gut positioniert, um den Anforderungen eines sich wandelnden Energiemarktes gerecht zu werden.

 

Lieferantenmanagement und -struktur

Die Leistungsfähigkeit der Lieferanten der NORMA Group wird kontinuierlich durch die Einkaufsorganisation überwacht. Ein wesentliches Instrument stellen dabei die jährlichen Lieferantenbewertungen dar. In diesem Zuge werden global einheitliche Kriterien aus den Bereichen Qualität, Logistik, Nachhaltigkeit sowie kommerzielle Aspekte betrachtet. Die entsprechenden Abteilungen sind auf lokaler Ebene in die Bewertungen involviert. Der Bewertungsprozess wird über eine E-Procurement-Software abgebildet. Neben der jährlichen Leistungsbewertung der Lieferanten wurden Lieferantenrisiken kontinuierlich durch eine automatisierte Risikomanagement-Software überwacht. Diese hilft der Einkaufsorganisation, die Resilienz in der Lieferkette stets zu überblicken und rechtzeitig erforderliche Maßnahmen einzuleiten.

Im Fokus der Lieferantenauswahl der NORMA Group steht ein Gleichgewicht aus der Konsolidierung von Lieferanten zur Komplexitätsreduktion und der Vermeidung von starken Abhängigkeiten. Dieses Gleichgewicht wird durch den Einkauf fortwährend optimiert. Die aktuelle Lieferantenbasis gestaltet sich wie folgt: Im Geschäftsjahr 2024 entfielen 31,4 % (2023: 34,6 %) des Einkaufsvolumens auf die Top-10-Lieferanten der NORMA Group. Auf die Top-50-Lieferanten entfielen rund 63,0 % (2023: 65,2 %) des Produktionsmaterialumsatzes in Höhe von EUR 330,0 Mio. (2023: EUR 377,9 Mio.), was EUR 208,0 Mio. (2023: EUR 247,2 Mio.) entspricht.

Legende

Diese Inhalte sind Teil des nichtfinanziellen Konzernberichts und unterlagen einer gesonderten Prüfung mit begrenzter Sicherheit („limited assurance“).